Die 5 Dimensionen der Sexualität

Sex sells –  in unserer Welt wird alles übersexulalisiert. Aber was ist Sexualität genau? 

 

Die Autor:innen Masters & Johnson haben schon in den 50ern wichtige Arbeit in diesem Bereich geleistet und in den 90ern verschiedene Dimensionen definiert, in die man Sexualität einteilen kann. Diese möchte ich dir heute weitergeben. 

 

Obwohl das Buch “Liebe und Sexualität” schon alt ist, gelten die meisten Inhalte nach wie vor als aktuell. Das Thema Sexualität gilt immer noch als tabu. Aufwachsende Jugendliche trauen sich meist nicht ihre Fragen oder Anliegen zum Thema zu formulieren, während Sex in den Medien exzessiv dargestellt wird. Durch diese Omnipräsenz denken viele Menschen, alle wissen alles darüber, nur sie sind unwissend und aus diesem Grund fragen sie auch nicht nach. 

Es gilt auch anzuerkennen, dass man, wenn man nicht dem heteronormativen Bild unserer Gesellschaft und der Medien entspricht, durch die fehlende Repräsentation Probleme mit der Identitätsfindung haben kann. 

 

Dimensionen der Sexualität

Wir Menschen sind in Hinblick auf unsere sexuellen Gefühle, Empfindungen, Verhaltensweisen und Überzeugungen alle einzigartig. Geprägt werden sexuelle Anschauungen durch persönliche, private Erfahrungen sowie durch das jeweilige Umfeld. Aus diesem Grund gibt es keine allgemeingültige Definition für Sexualität. Stattdessen haben Masters & Johnson (1993) fünf verschiedene Dimensionen der Sexualität entwickelt, die im Folgenden anhand eines Beispiels vorgestellt werden. 

Bei dem Beispiel handelt es sich um ein heterosexuelles, monogames Paar: Lynn und David. Als sie eines Nachts betrunken miteinander schlafen wollen, funktioniert das nicht. Nach Wochen der Frustration überlegen sie sich deswegen zu trennen. 

  1. Die biologische Dimension 

Biologische Faktoren beeinflussen unsere geschlechtliche Entwicklung und sie wirken sich auf das Sexualverlangen, die sexuelle Funktionsweise und die sexuelle Befriedigung aus. Biologische Reaktionen sind zum Beispiel das Steigen des Pulses oder ein Gefühl der Wärme oder des Kitzelns. 

Da Alkohol das Nervensystem betäubt, ist es kein Wunder, dass es hier zu Störungen kommen kann. In diesem Beispiel hat David dadurch keinen Ständer bekommen.

  1. Die psychosoziale Dimension

Abhängig von Vorerfahrungen, Umfeld und Einstellungen reagieren wir im sexuellen Kontext sehr unterschiedlich. Zentral sind in dieser Dimension soziale Gesetze, Tabus oder Zwänge, die Menschen in vorbestimmte Bahnen des sexuellen Verhaltens lenken sollen. 

David ist besorgt, dass etwas mit ihm falsch ist, seine Selbstsicherheit geht verloren, er beginnt an allem zu zweifeln. Lynn ist anfangs verständnisvoll und hilfsbereit, später aber, nach einiger Zeit, gereizt und unnahbar. Sie ist der Meinung, er solle sich nicht so reinsteigern. 

  1. Die verhaltensspezifische Dimension

Unser Sexualverhalten ist das Produkt biologischer und psychosozialer Faktoren. Hier wird betrachtet was, wie und warum wir etwas tun. Wichtig ist es hierbei, sich nicht mit anderen zu vergleichen oder andere zu verurteilen, da wir alle unterschiedliche  Wertvorstellungen und Erfahrungen haben. 

Seit dem Zwischenfall hat sich das Verhaltensmuster des Paares geändert. Die Häufigkeit zu versuchen miteinander zu schlafen sank stark ab. Stattdessen befriedigen sie sich jeweils selbst und empfinden dabei Schuldgefühle. Aus Angst etwas falsch zu machen, nehmen auch alle anderen Zärtlichkeiten immer mehr ab. 

  1. Die therapeutische Dimension

Sexualität ist zwar eine natürliche Funktion des Menschen, jedoch kann sie gehemmt werden. Genau dieses Bewusstsein ist wichtig, da die Gründe für Probleme in der Sexualität so vielseitig sein können. 

Nach zwei Wochen Sexualtherapie hatte das Paar seine Probleme im Griff. Durch die offene Kommunikation in der Therapie hatten sie ihre Beziehung in vielen Bereichen verbessert. Es zeigt sich also wieder einmal: Kommunikation ist essentiell. 

  1. Die kulturelle Dimension

Das Leben des Paars in dem Beispiel spiegelt die Dateninputs der Kultur wider, in der sie leben. So kommt es zum Beispiel durch religiöse Prägungen oft zu Schuldgefühlen, wenn es um Sexualität geht. Auch unsere Geschlechterrollen beeinflussen uns hierbei, da Frauen gesellschaftlich als passiv und Männer als aktiv wahrgenommen werden. David denkt also etwa, er sein kein „richtiger Mann“ weil er im Bett „versagt“ hat. 

Weltweit gibt es sehr unterschiedliche Sexualvorstellungen. In manchen Kulturkreisen gehört es zum guten Ton, Gäste zum Geschlechtsverkehr mit der Partnerin des Gastgebers einzuladen. In mindestens acht Kulturgruppen ist der Kuss komplett unbekannt. Die Befragten dieser Gruppen lachten und ekelten sich bei der Vorstellung eines Kusses: „die lecken sich den Speichel aus dem Mund“. 

 

Sexualität ist so stark von Widersprüchen belastet, dass es oft schwer ist, für sich selbst zu entscheiden, was moralisch vertretbar ist. Hier gibt es keine allgemeingültige, richtige Antwort.

 

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