Gewaltfreie Kommunikation, wie geht das denn?

 

Gewaltfreie Kommunikation ist natürlich

Hallo du schöner Mensch, toll, dass du da bist. Ich halte in meiner selbstständigen Arbeit immer wieder Workshops zum Thema Gewaltfreie Kommunikation. Heute möchte ich die Inhalte daraus mit dir teilen. Denn so gerne ich Workshops halte, so schade finde ich es, dass das Wissen dann nur mit den Menschen geteilt werden kann, die an diesem speziellen Zeitpunkt verfügbar sind. Hier kannst du dir die Inhalte jederzeit wieder ansehen. 

 

Das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation habe ich in der Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin kennengelernt. Ich habe selbst einiges für mich mitgenommen und bin begeistert von diesem Modell, also will ich dir weitergeben, was ich da tolles entdeckt habe. 

In der GFK geht es darum, sich ganz klar und konsequent für eigene Bedürfnisse einzusetzen und dabei auch immer in Verbindung zum Gegenüber zu bleiben. Außerdem verstehen wir in der Anwendung der GFK die Vergeblichkeit von gewaltvollen Auseinandersetzungen. 

Es bedarf dafür oft einer Veränderung der inneren Haltung – weg vom Kampf und hin zum Miteinander – weg von der Stärke, die andere schwach machen muss, hin zu Stärke für alle. Weg von Konkurrenz, hin zu Kooperation. Weg von Trennung, hin zu Verbindung. Es geht um die Pflege unserer Beziehungen – zu anderen, aber ebenso sich selbst.

Um die persönliche Einstellung entsprechend zu wandeln, braucht es einfach Übung, denn besonders wer an Gewalt gewöhnt ist, kennt oft keinen anderen Umgang. 

 

Ich erzähle euch heute das Konzept der GFK nach Marshall B. Rosenberg. Er wurde 1934 in den USA geboren, wuchs in Detroit auf und erlebte dort brutale Kämpfe zwischen Schwarzen und Weißen, in denen mehr als 40 Menschen getötet wurden. 

Rosenberg selbst war Jude, was dazu führte, dass er in der Schule oft verprügelt wurde. MBR hat festgestellt, dass er durch seine kulturellen Wurzeln, aufgrund derer er vielseitig benachteiligt wurde,  seine Aufmerksamkeit in eine Richtung lenkte, die für seine Entwicklung nicht förderlich war. 

MBR war der Überzeugung, dass Freude am einfühlsamen Geben und Nehmen unserem natürlichen Wesen entspricht und er beschäftigte er sich damit was geschieht, wenn wir die Verbindung zu unserer einfühlsamen Natur verlieren und uns gewalttätig und ausbeuterisch verhalten aber auch umgekehrt, was es Menschen möglich macht unter den schwierigsten Bedingungen mit ihrem einfühlsamen Wesen in Kontakt zu bleiben. Keine neue Idee – vor 100 Jahren wurde Mahatma Gandhi zum gewaltlosen Führer des indischen Volkes. MBR stützt sich auf den Begriff Gewaltfreiheit im Sinne von Gandhi. 

Die Umstände, die unsere Fähigkeit beeinflussen einfühlsam zu bleiben, waren laut MBR entscheidend für die Rolle der Sprache und des Gebrauchs von Wörtern. Deshalb ist sein Zugang zur Kommunikation, Sprechen UND Zuhören, einer der uns dazu führt von Herzen zu geben, indem wir mit uns selbst und dem Gegenüber auf eine Weise in Kontakt kommen, die unser natürliches Einfühlungsvermögen zum Ausdruck bringt.

Daraus hat er die GFK als eine Methode entwickelt, die seine Wahrnehmung trainierte, in eine positive Richtung zu blicken, die das Potential hat, ihm zu geben, was er suchte. Seither widmete er sich der Forschung einer Sprache des Friedens in einer konfliktreichen Welt. 2001 hat er sein Buch zur GFK veröffentlicht. 

 

Da die GFK unsere alten Muster von Verteidigung, Rückzug oder Angriff wenn wir mit Urteilen und Kritik konfrontiert sind auflöst, kommen wir immer mehr dahin, uns selbst und andere sowie unsere innere Einstellung und die Dynamik unserer Beziehungen in einem neuen Licht zu sehen. Wir müssen die GFK nicht wirklich neu lernen, es geht eher darum, sich an ursprüngliche Kommunikationsmuster zu erinnern. Wenn ihr in Zukunft die GFK anwendet, kann euer Gegenüber also auch gut in die GFK eintauchen, ohne diese gelernt zu haben oder bewusst anwenden zu müssen.  

 

Der zentrale Punkt der GFK ist es immer wieder die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, was ich fühle und was ich brauche und auch auf das, was mein Gegenüber braucht und wie es ihm geht. Dann wird es gelingen, für unsere kleinen und großen Probleme Lösungen zu finden, die das Leben für alle Beteiligten verbessern. 

 

Die Bestandteile der GFK: 

  1. Beobachtung 

  2. Gefühle 

  3. Bedürfnisse 

  4. Bitten

 

Schritt 1: Beobachtung

Standardmäßig wird alles, was wir sehen und erleben, von uns bewertet; wie wir etwas bewerten, hängt stark von unserem Umfeld, unserer Erziehung oder unseren Erfahrungen ab. Wenn wir Beobachtung und Bewertung vermischen, hört die andere Person Kritik und Beschuldigung heraus, und genau so entstehen die meisten Konflikte. Wichtig daher: Beobachten, nicht bewerten!

 

Als Bsp können wir hier bewertend sagen: 

Du bist zu großzügig. 

– Wenn ich sehe, dass du all dein Essensgeld spendest, finde ich, dass du zu großzügig bist. 

Ausländer kümmern sich nicht um ihr Eigentum. 

– Ich habe noch nicht gesehen, dass die indische Familie aus der Rosenstraße 16 den Schnee auf ihrem Gehsteig wegschaufelt. 

Du machst selten das, was ich möchte. 

– Die letzten drei Male, als ich eine Unternehmung vorgeschlagen habe, hast du gesagt, du hättest keine Lust dazu. 

→ Verallgemeinerungen werden verhindert. 

 

 

Schritt 2: Gefühle

Als nächstes sprechen wir aus, wie wir uns fühlen, wenn wir diese Handlung beobachten. Fühlen wir uns verletzt, erschrocken, froh, amüsiert, irritiert, usw.? 

 

In der GFK unterscheiden wir zwischen Wörtern, die wirkliche Gefühle ausdrücken und Wörtern, die beschreiben, was wir darüber denken, wie wir sind, also Gedanken. 

 

Achtung, oft werden Gefühle mit Gedanken verwechselt! 

„Ich fühle mich vernachlässigt“ ist z. B. kein Gefühl, sondern ein Gedanke. Ein Gefühl, das dahinter stehen könnte, wäre z. B. traurig, frustriert, einsam, …

Die Unterscheidung zwischen Gefühlen und Gedanken ist in der GFK wichtig, da Gefühle Wegweiser zu unseren Bedürfnissen sind.

 

 

Schritt 3: Bedürfnis

Im dritten Schritt sagen wir, welche unserer Bedürfnisse hinter diesen Gefühlen stehen. Ein Bedürfnis ist das, was ich selber zum Leben brauche. Das kann Essen, Trinken, Schlaf sein, aber natürlich auch das Bedürfnis nach Sicherheit, Verlässlichkeit, Ruhe, Anerkennung, Ehrlichkeit, …

Hinter jedem Gefühl steht ein Bedürfnis, daher ist es wichtig, zu erkennen, um welches Bedürfnis es geht. Bsp.: Ich fühle mich einsam. => dahinter kann stehen: das Bedürfnis nach Akzeptanz, Freundschaft, Geborgenheit, Unterstützung, Zugehörigkeit, Liebe, …

Auch hinter jedem Urteil steckt ein Bedürfnis. Um zu erkennen, welches, hilft oftmals die Gegenteilmethode: „Du bist rücksichtslos!“ => das Gegenteil von Rücksichtslosigkeit ist Rücksichtnahme => dein Bedürfnis nach Rücksichtnahme wurde offenbar nicht erfüllt.

Hinter einschüchternden Aussagen stehen ganz einfach Menschen, die an uns appellieren, auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Eine schwierige Äußerung wird zu einer Gelegenheit, das Leben eines Menschen zu bereichern. 

Was andere sagen oder tun mag ein Auslöser für unsere Gefühle sein, ist aber nie die Ursache. Urteile über andere sind entfremdete Äußerungen unserer eigenen unerfüllten Bedürfnisse. Wenn wir unsere Bedürfnisse aussprechen, dann steigt unsere Chance, dass sie erfüllt werden. 

In einer Welt, in der wir immer wieder gnadenlos verurteilt werden, wenn wir unsere Bedürfnisse wahrnehmen und sie auch zeigen, kann es sehr beängstigend sein, gerade das zu tun. Das gilt besonders für Frauen, die tendenziell eher dazu erzogen werden, ihre eigenen Bedürfnisse zu ignorieren und sich um andere zu kümmern.

Eine Mutter kann z.B. diese drei Bestandteile ihrem Sohn gegenüber ausdrücken, indem sie sagt: “Felix, wenn ich in unseren gemeinsamen Räumen zwei zusammengerollte, schmutzige Socken unter dem Kaffeetisch sehe und noch drei neben dem Fernseher, dann bin ich irritiert, weil mir Ordnung wichtig ist.” 

 

Schritt 4: Bitten

Sie macht dann weiter mit der vierten Komponente, einer sehr spezifischen Bitte: “Würdest du bitte deine Socken in dein Zimmer oder in die Waschmaschine tun?” Dieses vierte Element bezieht sich darauf, was wir vom anderen wollen, so dass unser beider Leben schöner wird. Was kann sie oder er konkret tun, um unsere Lebensqualität zu verbessern?  

 

Wir müssen Bitten bewusst formulieren, dem Zuhörenden ist nicht klar, was wir von ihm wollen, wenn wir nur unsere Gefühle ausdrücken. Achtung, eine Bitte ist keine Forderung! Sie muss positiv, klar und vorwurfsfrei formuliert sein. Vage Formulierungen tragen zur Verwirrung bei. Oft ist uns selbst nicht einmal bewusst, um was wir bitten. 

Darüber hinaus: Um sicherzugehen, dass die Botschaft, die wir aussenden, identisch ist mit der Botschaft, die empfangen wird, bitten wir den Zuhörer, sie wiederzugeben. Auch wenn wir nicht richtig verstanden wurden, ist es wichtig Wertschätzung auszudrücken für den Versuch uns zu verstehen. 

 

Wenn wir eine Bitte formulieren, hilft es auch, unsere Köpfe nach Gedanken abzusuchen, die Bitten automatisch in Forderungen umwandeln. Das erkennen wir durch Worte wie sollte oder müsste.

 

Bsp.: Anstatt zu sagen: „Ich möchte, dass du nicht mehr die ganze Zeit weg bist!“ könntest du sagen: „Ich würde gerne einen Abend pro Woche mit dir zusammen verbringen. Bitte sag mir, ob du am Dienstag Zeit und Lust hast, mit mir ins Kino zu gehen.“

Tipp: Anstatt jemanden zu bitten, etwas zu unterlassen, besser um die gleiche Handlung an einem anderen Ort/zu einer anderen Zeit bitten.

 

Bsp.: Anstatt zu sagen: „Bitte hör auf, so laut Gitarre zu spielen!“ könntest du sagen: „Könntest Du im Keller üben oder in einer Stunde üben, weil ich mich jetzt hinlegen möchte und Ruhe brauche?“

So, nun haben wir die 4 Komponenten besprochen. Um einen Satz daraus bilden zu können hat MBR diese Formel vorgesehen: 

„Wenn A, dann fühle ich mich b, weil ich c brauche. Deshalb möchte ich jetzt gerne d.“

jetzt eigene Bsp oder Übungsbsp 

Bsp.: „Wenn ich mit dir über das Thema ‚Schule‘ sprechen will, stehst du auf und schaust aus dem Fenster. Ich fühle mich besorgt und auch etwas ratlos, weil ich wissen möchte, wie es dir in der Schule geht und auf welche Weise ich dich unterstützen kann. Bitte sage mir, was du brauchst, um mit mir darüber reden zu können“.

 

Du kannst dir jetzt ein paar Minuten Zeit nehmen, um an eine Situation der letzten Zeit zu denken, in der du entweder versucht hast jemandem ein Bedürfnis zu kommunizieren und das nicht gut angenommen wurde. Gerne berichte auch positive Beispiele, falls dir nun auffällt, dass du bereits unbewusst gewaltfrei kommuniziert hast.

 

 

Nun haben wir besprochen, wie wir die 4 Komponenten ausdrücken können, es ist aber genauso wichtig dem gegenüber auch empathisch zuzuhören. 

Wir machen unseren eigenen Verstand leer und hören mit unserem ganzen Wesen zu. Empathie tritt im Kontakt mit anderen Menschen nur dann auf, wenn wir alle vorgefassten Meinungen und Urteile über sie abgelegt haben. 

Frage nach, bevor du Ratschläge oder Trost geben möchtest. Oder kommt es als beschwichtigen an? 

Höre auf das, was andere Menschen brauchen, nicht darauf, was du über sie denkst. 

Paraphrasiere – gib also was du soeben gehört hast, in deinen eigenen Worten wieder. So kann dein gegenüber richtigstellen was ev noch nicht bei dir angekommen ist und Missverständnisse aus dem Weg räumen. 

Wir wissen, dass unser Gegenüber genug Empathie bekommen hat, wenn 1) wir ein Nachlassen der Anspannung spüren oder 2) der Sprechfluss versiegt. 

 

Das war`s von meiner Seite. Wie geht es dir? Was nimmst du dir mit? Schreibe mir gerne gleich auf Instagram.

 

Alles Liebe, 

Iris 

 

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